COSÌ FAN TUTTE auf dem Festival d’Aix-en-Provence 2016

geschrieben von Festival d'Aix-en-Provence, ARTE Concert, Dominic Konrad
Festival Aix-en-Provence, Frankreich

Mozarts Verwechslungskomödie COSÌ FAN TUTTE ist das Highlight im Erzbischofspalais von Aix-en-Provence beim diesjährigen Opernfestival. Regisseur Christophe Honoré versetzt die Handlung in das italienisch besetzte Äthiopien der 1930er-Jahre und erweitert die leichte Handlung um einen Rassismus- und Faschismuskommentar.

Festival d’Aix-en-Provence 2016 © Pascal Victor / Artcomart

 

Ferrando und Guglielmo haben sich mit zwei Schwestern verlobt, Dorabella und Fiordiligi. Um einem alternden Philosophen zu beweisen, dass ihre beiden Angebeteten auch wirklich treu sind, geben sie vor, in den Krieg zu ziehen, und kehren anschließend, als fremdländische Herren verkleidet, wieder zurück. In dieser Aufmachung machen sie dann den beiden schönen Schwestern den Hof. Doch ihr Plan geht nach hinten los, wenn der Eine der Verlobten des Anderen nachstellt… Werden die ursprünglichen Paare unbeschadet aus diesem Spiel zwischen Liebe und Unmenschlichkeit hervorgehen?

Der Filmemacher und Theaterregisseur Christophe Honoré greift diese Frage in seiner neuen Produktion von COSÌ FAN TUTTE beim Festival d’Aix-en-Provence 2016 auf. Das Kräftemessen zwischen den Personen, die von ihrer Begierde beherrscht werden, sind das Thema der kontrastreichen Partitur Mozarts, die nach DIE HOCHZEIT DES FIGARO und DON GIOVANNI seine dritte und letzte Zusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte sein sollte.

Festival d’Aix-en-Provence 2016 © Pascal Victor / Artcomart

 

Das intrigante wie herzlose Spiel der Hauptfiguren macht COSÌ FAN TUTTE zu Mozarts grausamster Oper, sagt Christophe Honoré.  Seine Inszenierung spielt im Äthiopien der 1930er-Jahre, zur Zeit des Abessinienkriegs, als das faschistische Italien unter Benito Mussolini das Kaiserreich Abessinien einzunehmen versuchte. Ferrando und Guglielmo werden zu italienischen Usurpatoren, die in der Verkleidung schwarzer Reisender zu ihren Verlobten zurückkehren. Honoré erweitert das Stück um einen Kommentar auf Faschismus, Rassismus und die Bedeutung des Blackface.

Die musikalische Leitung übernimmt ein prominenter Mozartkenner: Louis Langrée dirigiert das Freiburger Barockorchester.

Musikalische Leitung: Louis Langrée 
Regie: Christophe Honoré
Bühnenbild: Alban Ho Van
Kostüme: Thibault Vancraenenbroeck
Licht: Dominique Bruguière

Fiordiligi (Sopran): Lenneke Ruiten
Dorabella (Mezzosopran): Kate Lindsey 
Despina (Sopran): Sandrine Piau
Ferrando (Tenor): Joel Prieto
Guglielmo (Bariton): Nahuel di Pierro
Don Alfonso (Bass): Rod Gilfry

Chor: Cape Town Opera Chorus
Orchester: Freiburger Barockorchester
 

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